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Gefühlsstarke Kinder – von allem ein bisschen mehr

Gefühlsstark zu sein ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das ein Leben lang erhalten bleibt.

Schätzungsweise jedes 7. Kind kommt mit diesem besonderen Empfinden zur Welt. Anatomisch gesehen, ist das Gehirn gefühlsstarker Kinder auf eine außergewöhnliche Weise verknüpft. Das Emotionszentrum (die Amygdala) scheint besonders empfindlich zu reagieren. Gefühlsstarke Kinder kennen also jede Emotion nur in ihrer Extremvariante. Gefühlsstark zu sein ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das ein Leben lang erhalten bleibt.

Oftmals sind diese Kinder auch bekannt als Troublemaker, Wutzwerg oder Zicke. Nichtwissende bemängeln ihre ausbaufähige Impulskontrolle, ihre geringe Selbstregulationsfähigkeit, eine enorme Lautstärke oder Hibbeligkeit. Doch selbstverständlich haben sie auch große Stärken. Sie sind sehr kreativ, sprachgewandt, meinungs- und willensstark sowie durchsetzungsfähig. Im Alltag ist das oft nicht leicht, aber durchaus kein schlechter Charakterzug. Sie verfügen häufig über auffallend viel Energie, Ausdrucksstärke, Traditionsbewusstsein und sind sehr wissbegierig.

Woran erkennt man gefühlsstarke Kinder?

Für Gefühlsstärke gibt es kein standardisiertes Testverfahren. Diese Kinder brauchen Eltern, die ganz genau hinsehen, ihre Kinder gelegentlich mit anderen vergleichen (aber nicht bewerten) und sich mit der Persönlichkeit ihres Kindes beschäftigen wollen. Oft fällt schon sehr früh auf, dass das eigene Kind „irgendwie anders“ ist.

Laut Nora Imlau, Autorin des Buches „So viel Freude, so viel Wut“, haben gefühlsstarke Kinder neun markante Charaktereigenschaften: unglaublich intensive Gefühle, extreme Ausdauer und Hartnäckigkeit, sie sind überdurchschnittlich sensibel und außergewöhnlich offen für alle Eindrücke. Abweichungen von Routinen sind für sie kaum auszuhalten und ihre Energie ist schier unerschöpflich. Sie mögen keine Veränderungen, haben oft pessimistische Ansichten und äußere Strukturen verstehen sie als Freiheitsberaubung. Ein Alltag mit ihnen gleicht also einer nicht enden wollenden, emotionalen Achterbahnfahrt mit vielen Loopings.

Gefühlsstarke Babys

Als Babys weinen sie viel, brauchen sehr häufig Körperkontakt, sind schnell reizüberflutet und schlafen besonders unruhig. Während andere Neugeborene einen Schutzmechanismus haben und alle Eindrücke nur gefiltert bei ihnen ankommen, erfährt ein gefühlsstarkes Kind diese Empfindungen in vollem Ausmaß und ungebremst.

Gefühlsstarke Kleinkinder

Im Kleinkindalter steht die Bedürfnisbefriedigung an oberster Stelle, um den Kleinen Sicherheit zu vermitteln. Wenn das Kind weint, weil es seine Mama braucht, dann hat das nichts mit Verwöhnen zu tun, wenn man diesem Bedürfnis nachkommt. Nora Imlau schreibt, dass gefühlsstarke Kinder nämlich dann besonders anstrengend sind, wenn sie über längeren Zeitraum ihre innere Kraftquelle nicht anzapfen konnten. War der Alltag zu eng getaktet und gab es zu wenig Zeit für frei gewählte Aktivitäten, dann geraten diese Kinder aus dem Gleichgewicht.

Gefühlsstarke Kita- und Schulkinder

Im Kindergarten- und Grundschulalter haben sie einen sehr regen Geist, sind vielseitig interessiert und brauchen jede Menge Anregungen. Bekommt ihr Gehirn keine Nahrung, langweilen sie sich, was ebenfalls Stress erzeugen kann. Neue Erfahrungen sollten gefühlsstarke Kinder nur wohldosiert machen. Sie brauchen sehr viel Routine im Alltag und erst wenn ein Event verarbeitet wurde, sollte das nächste beginnen. Im sozialen Miteinander haben es diese Kinder oftmals nicht leicht. Durch ihr ungestümes Wesen, die überbordende Energie, die sie nur schwer regulieren können, und ihre forsche und selbstbewusste Art ecken sie häufig an. Gleichzeitig fühlen sie sich schnell vernachlässigt, übersehen und angegriffen. Sie sind sehr offen und kommunikativ aber wirken auch oftmals mürrisch. Dieser rasche Wechsel ist für Außenstehende meist nicht nachvollziehbar und anstrengend. Dennoch wollen sie immer mittendrin und voll dabei sein.

So helfen Eltern ihren gefühlsstarken Kindern

Gefühlsstarke Kinder brauchen Eltern, die ihren besonderen Charakter annehmen, Alarmsignale (z. B. Tics, wie ständiges Räuspern oder Husten) erkennen und ihrem Kind helfen einen Gang zurück zu schalten. Ein „Stell dich nicht so an“ oder „Jetzt komm mal wieder runter“ ist kontraproduktiv. Klare und knappe Ansagen, am besten mit Körper- oder Blickkontakt, helfen ihnen Informationen aufzunehmen. Durch den Zuspruch und die Akzeptanz der Eltern lernen gefühlsstarke Kinder, dass sie zwar anders als die Mehrheit sind, aber dass dieses Verhalten nicht falsch oder schlecht ist. Eltern hingegen müssen lernen, auf ihren Instinkt und ihr Bauchgefühl zu vertrauen und dürfen sich im Alltag nicht selbst aus den Augen verlieren. Bedürfnisorientiert Kinder ins Leben zu begleiten schließt nämlich auch die Bedürfnisse der Eltern mit ein. Pläne, die in anderen Familien ohne Probleme umzusetzen sind, passen oftmals nicht, denn jede Familie hat ihre eigenen Charaktere und Spielregeln. Und das ist auch gut so!

Bildnachweis: Pixabay

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