Wenn dein Kind Schwierigkeiten hat und sehr lange braucht, um Rechenaufgaben zu lösen oder das Rechnen zu erlernen, führt das meist zu erheblichem Frust. Manchmal steckt dahinter mehr als eine fehlende Begabung oder Begeisterung für das Fach Mathematik. Dyskalkulie ist ebenso wie die Lese-Rechtschreibschwäche eine sogenannte Teilleistungsstörung, die mithilfe von Tests offiziell diagnostiziert werden kann. Dyskalkulie hat übrigens nichts mit Intelligenz zu tun, denn betroffene Kinder können in anderen Bereichen sehr talentiert sein.
Was ist Dyskalkulie?
Eine bestimmte Begabung für Zahlen und Mengenverständnis scheinen laut Forschung angeboren. In Kindergarten und Schule erlangen Kinder dann nach und nach ein fundiertes Verständnis für Zahlen und die grundlegenden Rechenarten. Kinder mit Dyskalkulie haben Schwierigkeiten beim Erkennen von Zahlen und Mengen und in der Anwendung der verschiedenen Rechenarten und Regeln. Auch Zahlendreher kommen häufig vor. Gelesen und geschrieben wird dann z.B. „39“ statt „93“. Aber nicht nur Zahlen, auch das Erkennen von Mustern, der Umgang und das Zählen von Geld oder das Ablesen der Uhrzeit kann Kindern mit Dyskalkulie Schwierigkeiten bereiten. Dyskalkulie ist eine offizielle, durch Tests und Untersuchungen bestätigte Diagnose und darf nicht mit einer Rechenschwäche gleichgesetzt werden. Diese tritt meist durch emotionale Probleme oder verpassten Unterricht auf. Die Dyskalkulie dagegen ist eine angeborene Teil-Leistungsstörung des Gehirns.
Was sind mögliche Ursachen und Symptome?
Vollständig erforscht sind die Ursachen noch nicht, man geht aber davon aus, dass genetische und neurologische Faktoren eine Rolle spielen. Beim Umgang mit Zahlen, Mustern und Mengen arbeiten in unserem Gehirn viele Regionen zusammen. Diese Zusammenarbeit und damit verbundene neurologische Entwicklung sind bei Dyskalkulie gestört. Da beim Umgang mit Zahlen auch Prozesse verarbeitet und gespeichert werden müssen sowie Konzentration und Aufmerksamkeit notwendig sind, kommt eine Dyskalkulie manchmal auch gepaart mit einer ADHS-Diagnose vor. Aufgrund ihrer Schwierigkeiten und meist schlechten Noten bei Leistungserhebungen zeigen Kinder oft noch zusätzliche Begleiterscheinungen, wie Angst vor dem Fach Mathe oder gar Schulangst, Traurigkeit oder Wut, Scham und Frust.
Leidet mein Kind an Dyskalkulie?
Meist fällt es Lehrerinnen bereits in der Grundschule auf, wenn ein Kind eine Rechenstörung hat und sie suchen das Gespräch mit den Eltern. Auch du als Mutter oder Vater solltest dich frühzeitig an die Schule oder eure Kinderärztin wenden, wenn dir selbst auffällt, dass sich dein Kind vor allem mit Zahlen und dem Rechnen schwertut.
Kinder- und Jugendpsychiater/-psychologen klären mit Hilfe von verschiedenen Diagnostikmethoden ab, ob bei deinem Kind eine Dyskalkulie vorliegt. Dabei wird auch das schulische und soziale Umfeld mit angeschaut. Drei bis sieben Prozent aller Kinder sind in Deutschland von dieser Teilleistungsstörung betroffen.
Wie kann unterstützt und gefördert werden?
Wie so oft ist eine positive, motivierende Unterstützung durch Eltern und Schule vor allem für das Selbstbewusstsein der Kinder sehr wichtig. Viele Schulen bieten in sogenannten Differenzierungskursen in kleineren Gruppen eine gezielte Förderung an. Dabei wird versucht, den Zugang zur Mathematik mehr spielerisch und mit entsprechendem Fördermaterial zu gestalten. Die Kinder werden dafür parallel zum Matheunterricht in Kleingruppen betreut und gefördert. Spezielle Lerntherapeuten können deinem Kind außerhalb der Schule gezielte Techniken und Strategien an die Hand geben, um Schwierigkeiten zu meistern.
Liegt eine offizielle Diagnose für Dyskalkulie vor, können Eltern einen sogenannten Nachteilsausgleich für das Fach Mathematik beantragen. Für dein Kind gelten dann andere Bewertungskriterien bei Leistungsnachweisen und/oder sie bekommen in Proben einen Zeitzuschlag. Neben der gezielten Förderung im Fach Mathematik ist es besonders wichtig, Kinder mit Dyskalkulie in den Bereichen zu loben, zu stärken und zu motivieren, in denen sie gut sind.
Ulli Dippold
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