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Kindertaugliche WM? Gar nicht so einfach

„Dürfen wir das Spiel schauen? Bitte!“ Die Frage steht schon Tage vorher im Raum. Natürlich geht es um die WM, natürlich um die deutsche Nationalmannschaft. Meine beiden Jungs sind sofort begeistert. Während ich noch überlege, wie sich ein Fußballabend halbwegs kindertauglich in den Familienalltag integrieren lässt, ist die Entscheidung bei allen anderen längst gefallen.

Die erste Hürde: die Anstoßzeiten. 19 Uhr ist machbar, mit vorgezogenem Abendessen und etwas späterem Zubettgehen. 22 Uhr hingegen wirkt für Grundschulkinder zunächst ausgeschlossen, zumindest aus Elternsicht. Für die Kinder gehört so ein Spiel aber klar zum Ausnahmezustand. Kurz steht sogar Public Viewing im Raum, etwa im Biergarten an der Wöhrder Wiese. Gute Stimmung, viel Platz. Doch die Rechnung ist schnell gemacht: Abpfiff, Heimweg, Abendroutine und das alles an einem Sonntag vor der Schule. Also fällt die Entscheidung fürs Heimstadion.

Kurz vor Anpfiff wird aufgetischt: Chips und Limonade. Und gerade, als wir vier startklar auf dem Sofa sitzen, fragt mein Großer: „Mama, wo sind unsere Trikots?“ Kindergrößen? Fehlanzeige. Also werden zwei alte Erwachsenentrikots aus dem Schrank gezogen. Sie sitzen viel zu groß, erfüllen aber ihren Zweck.

Während die Vorberichterstattung läuft, analysiert der Große bereits Aufstellung und Gegner. Der Kleine nutzt die Zeit lieber, um selbst durchs Wohnzimmer zu dribbeln.

Dann ertönt der Anpfiff: Konzentriertes Mitfiebern wechselt sich mit Jubelrufen und spontanen Fußballaktionen im Wohnzimmer ab. In der Halbzeit verabschiedet sich der Kleine ins Bett, und auch beim Großen werden die Augen langsam schwer. Doch er hält tapfer durch.

Am Ende wird es deutlich später als sonst. Die Müdigkeit macht sich bemerkbar, die Begeisterung jedoch bleibt. Selbst beim Zähneputzen wird noch darüber gesprochen, wer beim nächsten Mal die Tore schießen wird.

Und der Morgen danach? Überraschend unspektakulär. Die Kinder sind nicht müder als sonst. Der einzige Unterschied: Am Frühstückstisch kreisen die Gespräche weiterhin um das Spiel, die Tore und neue Lieblingsspieler. Und ich wette, das setzt sich in der Schule fort.

Fazit: Eine WM mit Kindern braucht keine perfekte Planung, sondern flexible Regeln. Kleine Ausnahmen bei Schlafenszeiten gehören dazu. Entscheidend ist das gemeinsame Erlebnis und wenn am Ende alle etwas übermüdet, aber rundum glücklich ins Bett fallen, war es vermutlich ein gelungener Fußballabend.


Beitragsbild: stock.adobe.com

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