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Könnt ihr die Giraffensprache?

Die Giraffe überblickt alles und kann dann ausdrücken, was sie sieht ohne zu urteilen.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein von Marshall Rosenberg entwickeltes Konzept, um Beziehungen harmonischer zu gestalten. Es geht darum, sich gegenseitig wertzuschätzen, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, und um das Wohlergehen beider Parteien.

Giraffensprache

Das klingt erst einmal komplex. Für Einsteiger*innen und Kinder gibt es eine verständlichere Erklärung: Wir alle haben einen Wolf und eine Giraffe in uns. Der Wolf kann knurren und bellen, er spuckt und wütet, fühlt sich schnell bedroht und greift dann an. Die Giraffe überblickt mit ihrem langen Hals alles, sieht von oben, was passiert und kann dann ausdrücken, was sie sieht und fühlt, ohne zu urteilen. Sie benutzt dafür ihre Giraffensprache.

Was ist diese Giraffensprache?

Es geht um Gewaltfreiheit in unserer Sprache. Nicht zu urteilen, die andere Person zu beschämen, zu beschuldigen oder gar zu beleidigen. Sondern ruhig und erstmal sachlich zu erklären, wie man sich fühlt und warum. Ziel ist es, Konflikte friedvoll auszuleben und niemanden zu verletzen, am Ende gemeinsam eine Lösung zu finden.
Aus der Sicht der Giraffe gelingt das leichter, von oben zu überblicken, was passiert ist, das zu beschreiben und die eigenen Gefühle dazu auszudrücken.

Wie gelingt die Umstellung in der Familie?

Zuerst einmal hilft es schon zu erkennen, dass die Sprache in der Familie in letzter Zeit vielleicht nicht ganz so friedlich, ruhig und zielführend war, wie man sich das wünschen würde. Gerade mit älteren Kindern gibt es immer wieder Konflikte, die auch mal lautstark ausgetragen werden.

Ein vielleicht typisches Beispiel, das größere Kind kommt später nach Hause als vereinbart. Das Grundmodell der Gewaltfreien Kommunikation sieht dabei diese Reihenfolge vor.

1. Die Situation wird beobachtet und beschrieben, die konkrete Handlung benannt. In unserem Beispiel: „Du bist zu einer späteren Zeit nach Hause gekommen als vereinbart.“

2. Die Situation des Zuspätkommens hat ein Gefühl im Elternteil ausgelöst, zum Beispiel Ärger oder Sorge: „Es verärgert mich, wenn du Absprachen nicht einhältst. Ich habe mir Sorgen gemacht.“

3. Danach beschreibt man sein Bedürfnis: „Ich wünsche mir, dass du pünktlich bist, dass ich mich auf dich verlassen kann.“

4. Diesem Bedürfnis folgt eine Bitte: „Bitte sage das nächste Mal Bescheid, wenn du dich verspätest.“ Oder „Bitte sei das nächste Mal pünktlich zu Hause.“

Giraffensprache mit kleineren Kindern üben

Auch mit kleineren Kindern kann man gewaltfreie Kommunikation ausüben. „Du hast mit dem Baustein nach mir geworfen und er hat mich getroffen. Das tut mir weh. Bitte mach das nicht mehr.“ Oder: „Ich möchte nicht das ganze Essen vom Boden aufheben, das strengt mich an, bitte lass die Nudeln auf dem Teller liegen.“ Das setzt natürlich eine gewisse Reife beim Kind voraus, um den Zusammenhang des Handelns und der Konsequenz für die Mitmenschen zu verstehen und gelingt ungefähr ab 3 Jahren.

Wichtig ist, nicht wieder in alte Muster zu verfallen, laut zu werden oder Du-Botschaften zu senden wie „Du kommst immer zu spät!“. Ein kleines Plakat mit Gefühlen, Bedürfnissen und der Reihenfolge der Giraffensprache, nett gestaltet und zentral in der Wohnung aufgehängt, kann immer wieder daran erinnern.

Nicole Kaiser

 

Bildnachweis: iStock.com/SerrNovik

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