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Mehrsprachig aufwachsen

Zwei Muttersprachen zu sprechen, ist ein Geschenk. Eines, das wir gerne an unsere Kinder weitergeben wollten. Mein Mann und ich sprechen heute Deutsch und Russisch auf Muttersprachenniveau. Deutsch haben wir allerdings erst in Deutschland gelernt. Denn auch unsere Eltern haben – rückblickend betrachtet – denselben Fehler gemacht wie wir später bei unseren eigenen Kindern. Sie haben die Weichen für echte Zweisprachigkeit nicht richtig gestellt.

Umso größer war unser Wunsch, es besser zu machen. Wir wollten die Sprachen lebendig halten. Den kulturellen Schatz weitergeben, der in jeder Sprache mitschwingt. Und wir waren überzeugt davon, dass es uns gelingen würde. Doch irgendwann mussten wir uns eingestehen: Wir hatten den entscheidenden Moment verpasst.

Bei unserem ersten Sohn haben wir zwar viele russische Bücher gelesen, Zeichentrickfilme geschaut und russische Lieder gesungen. Gesprochen haben wir jedoch fast ausschließlich auf Deutsch – im Alltag, beim Abendessen, im Urlaub. Und so ist aus dem Wunsch, zwei Muttersprachen mitzugeben, am Ende vor allem eines geworden: passives Sprachverständnis.

Denn eine Sprache lernt sich nicht nebenbei. Sie verankert sich nur, wenn sie konsequent Teil des Alltags ist. Dabei hilft es, sich für eine klare Sprachstrategie zu entscheiden.

Eine Sprache – eine Person

Wenn du willst, dass dein Kind zwei Sprachen gleichwertig lernt, hilft es, diese Sprachen konsequent zu trennen. Eine der bekanntesten Methoden ist das Prinzip „Eine Person – eine Sprache“. Dabei spricht jede Bezugsperson immer in der gleichen Sprache mit dem Kind – zum Beispiel du auf Deutsch, dein Partner oder deine Partnerin benutzt die Herkunftssprache. So lernt das Kind, beide Sprachen auseinanderzuhalten und verbindet beide mit echten Beziehungen.

Sprich dabei nicht nur über Alltägliches, sondern auch über Gefühle, Geschichten, Pläne. Je vielfältiger die Themen, desto besser lernt dein Kind, sich sprachlich auszudrücken.

Umgebungssprache

Viele Familien wählen auch das Modell „Familiensprache – Umgebungssprache“: Zu Hause wird die Familiensprache gesprochen, draußen die Umgebungssprache. Andere wiederum verbinden Sprache mit Zeit und Ort: zum Beispiel am Wochenende Herkunftssprache, unter der Woche Deutsch. Alles ist möglich – solange es für dein Kind nachvollziehbar bleibt.

Dabei sind feste Sprachrituale hilfreich: Gute-Nacht-Geschichten, Fingerspiele, Reime oder Lieder. So wird Sprache mit Nähe und Geborgenheit verbunden. Auch Vorlesen ist eine große Hilfe – am besten in beiden Sprachen.

Sprache lebt vom Mitmachen

Sprache braucht Input und Output. Also: Hören, sprechen, erzählen. Gib deinem Kind möglichst oft die Gelegenheit, selbst zu sprechen – nicht nur mit dir, sondern auch mit anderen. Besuche Gruppen, in denen eure Familiensprache gesprochen wird, vernetze dich mit Familien, die ähnlich leben. Und wenn dein Kind eine Sprache zeitweise verweigert? Kein Grund zur Sorge. Kinder wechseln manchmal die Sprachvorliebe. Wichtig ist, dass du dranbleibst – geduldig, liebevoll und überzeugt davon, dass Mehrsprachigkeit ein Geschenk ist.

Deutsch nicht vergessen – für Schule und Alltag

Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind später in der Schule nicht gut genug Deutsch spricht. Doch das muss nicht sein. Kinder lernen Deutsch besonders gut, wenn sie früh und regelmäßig in Kontakt mit der Sprache kommen – durch Kita, Spielplatz, deutschsprachige Freunde oder Vereine. Auch du selbst bist ein Vorbild: Wenn dein Kind sieht, dass du Deutsch sprichst, liest oder lernst, stärkt das sein Vertrauen in beide Sprachen.

Vorteile mehrsprachiger Erziehung

Mehrsprachigkeit eröffnet Kindern mehr als nur den Zugang zu zwei Sprachen. Sie entwickeln ein feines Sprachgefühl, denken flexibler, wechseln leichter zwischen Themen – und lernen früh, sich in andere hineinzuversetzen. Das stärkt nicht nur ihre kognitiven Fähigkeiten, sondern auch ihre sozialen. Zwei Sprachen zu beherrschen, ist eine Ressource – für die Schule, das Leben und das Verstehen der Welt.

Olga Diesendorf


Beitragsbild: iStock.com/Oko_SwanOmurphy

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