Sind wir mal ehrlich: Die meisten von uns sind froh, wenn die Eingewöhnung in der Kita vorbei ist. So schön es ist, ganz nah am Geschehen zu sein, Zeit mit dem Kind zu verbringen, mal etwas Neues zu sehen. Wir sehnen uns danach, Zeit für uns zu haben, das Kind „einfach“ für ein paar Stunden am Tag in andere Hände geben zu können. Doch ist es so einfach?
Eingewöhnung abgeschlossen und gut?
Das erste Kita-Jahr ist für viele Familien turbulent. Alle müssen sich an einen neuen Alltag gewöhnen, die Eltern fangen meist nach abgeschlossener Eingewöhnung an zu arbeiten und müssen sich ganz neu strukturieren. Das Kind ist in einer neuen Umgebung mit vielen fremden Menschen und ohne die Eltern. Der Haushalt bleibt liegen, Termine und Verabredungen verschieben sich auf den Nachmittag. Doch Energie ist dafür meist auch keine mehr da.
Bei manchen werden die Nächte wieder schlechter, das Kind braucht wieder viel mehr Nähe, schläft erneut bei den Eltern oder wacht öfter auf. Einige Kinder haben kurz nach der Eingewöhnung eine Zeitlang Schwierigkeiten beim Verabschieden. Das ist ganz normal. Die erste Aufregung ist verflogen, je nach Alter des Kindes realisiert es den Abschied erst so richtig, die Tage sind lang und laut für ein junges Kind. Durch eine gute Kommunikation mit den Erziehenden in der Kita, viel Geduld und schönen Ritualen lässt sich diese Phase meist sanft überstehen.
Auch die Nachmittage können durchwachsen sein: Das Kind schläft vielleicht in der Kita mittags nicht so viel wie zu Hause, es gibt Konflikte mit anderen Kindern, die nachgearbeitet werden müssen. Oder es sind einfach sehr viele Eindrücke, die den Nachmittag eher zu einer Durchhängepartie werden lassen.
Wir tun gut daran, nicht so viel zu planen. Muss es im ersten Jahr nach der Eingewöhnung noch zwei Nachmittagskurse geben? Können die Einkäufe delegiert oder per Lieferdienst erledigt werden? Vielleicht kann man doch früher als geplant abholen oder die Buchungszeiten etwas anpassen. Macht es euch leicht!
Wie geht es uns Eltern?
Auch uns fällt es vielleicht schwer, loszulassen, im neuen Alltag anzukommen, den Erziehenden das Wertvollste anzuvertrauen. Es ist normal, sein Kind zu vermissen, wissen zu wollen, was es den Tag über erlebt hat, oder der Elternzeit nachzutrauern! Sucht euch Menschen, mit denen ihr darüber sprechen könnt und lasst euren Gefühlen in einem ruhigen Moment auch mal freien Lauf!
Ein neues Wort: Kindkranktage
Spätestens im ersten Herbst und Winter kommt sie auf die neuen Kita-Kinder und ihre Eltern zu: Eine Welle von Infekten. Krankheiten wie Hand-Mund-Fuß, 3-Tage-Fieber oder auch die ganz normalen, aber sehr nervigen Erkältungen wechseln sich ab und bringen auch die Eltern an die Grenzen ihres Immunsystems.
Es gibt vorbeugende Dinge, die man tun kann: Vitamin C und Zink einnehmen, täglich rausgehen, Stress reduzieren und gut schlafen. Doch wirklich verhindern kann man diese Infekte auch nicht. Dann hilft nur „Augen zu und durch“, liegenlassen was nicht wichtig ist, sich Unterstützung im Umfeld holen und sanft mit sich selbst sein.
Was Eltern jetzt brauchen
Vor allem eins: Geduld! Und im besten Fall ein gutes soziales Netz. Großeltern, die auch am Vormittag trotz Schnupfen vorbeikommen und das Kind ein bisschen bespaßen. Menschen, die auch mal ein Abendessen zubereiten oder befreundete Eltern, mit denen man sich am Nachmittag in der chaotischen Wohnung zum gemeinsamen Jammern treffen kann.
Wichtig
Kein Stress mit der Arbeit! Wenn das Kind oder man selbst krank ist, ist man krank. Da hilft auch kein dringendes Projekt oder wichtiges Meeting. Im Zweifel führt das zu noch mehr Stress und dadurch zu höherer Infektanfälligkeit. Die meisten Arbeitgebenden kennen das von anderen Eltern schon. Macht man sich Sorgen, hilft vielleicht ein offenes Gespräch. Kann man flexibler im Homeoffice arbeiten oder sogar für den Anfang wieder Stunden reduzieren? Gibt es die Möglichkeit, dass jemand aus dem Team unterstützt? Oder kann man Aufgaben delegieren?
Eltern dürfen jetzt lernen, ganz neu Prioritäten zu setzen und gut auf sich selbst zu achten!
Nicole Kaiser
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