Drei Schritte, um in Stressmomenten ruhig zu bleiben
Es ist eigentlich eine Kleinigkeit: Zähneputzen, anziehen, losgehen. Man erklärt geduldig, motiviert, hilft. Und trotzdem endet es oft im Streit. Das Kind trödelt, macht nicht mit, lässt sich ablenken. Und während die Minuten vergehen, steigt innerlich die Anspannung. Der Ton wird schärfer, die Geduld dünner. Sätze wie: „Wenn du jetzt nicht … dann …“ kommen schneller über die Lippen, als man es sich vorgenommen hat. Und irgendwann ist er da, dieser Moment, in dem man das Kind anschreit. Kurz darauf folgt der Gedanke: So wollte ich doch nie sein. Viele Eltern kennen diese Situationen. Und viele fühlen sich danach schuldig oder sind enttäuscht von sich selbst.
Meistens sind es nicht die großen Krisen, die uns als Eltern aus der Ruhe bringen. Es sind die vielen kleinen Momente, die zur Gereiztheit führen. Viele Eltern denken dann: Ich sollte einfach gelassener sein. Doch Gelassenheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist etwas, das wir immer wieder bewusst herstellen können – mit etwas Übung auch mitten im Trubel.
Hier sind drei einfache Schritte, die im Alltag wirklich helfen
Erstens: Frühzeitig wahrnehmen, was in dir passiert
Gereiztheit kommt selten aus dem Nichts. Meist kündigt sie sich an: ein flacher Atem, verspannte Schultern, ein inneres Drängen, dass es jetzt schneller gehen muss. Wer lernt, diese frühen Signale wahrzunehmen, hat die Möglichkeit, etwas zu verändern.
Zweitens: Kurz innehalten, bevor du reagierst
Wenn Stress hochkommt, reagieren wir oft automatisch: lauter werden, schneller sprechen, ungeduldig handeln. Das passiert nicht, weil wir „schlechte Eltern“ sind, sondern weil unser Nervensystem im Alarmmodus ist. Ein bewusstes Innehalten kann diesen Reflex unterbrechen.
– Drei bewusste Atemzüge: Durch die Nase ein, durch den Mund wieder ausatmen.
– Beide Füße fest auf den Boden stellen
– Innerlich von 100 in 2er Schritten rückwärts zählen: 100 – 98 – 96 – 94 – …
Diese Mini-Pause unterbricht den Stressreflex und schafft die Möglichkeit, wieder bewusst zu handeln, statt nur zu reagieren.
Drittens: Abstand nehmen
Manchmal reicht das Innehalten nicht mehr aus. Die Anspannung ist zu groß, der Körper bereits im Alarmmodus. Dann hilft Abstand. Das kann dann so klingen: „Ich merke, ich werde gerade wütend. Ich brauche kurz einen Moment für mich.” Das ist kein Weglaufen und kein Versagen, sondern Selbstregulation. Du nimmst dir Raum, um wieder bei dir anzukommen, um dann für dein Kind da zu sein. Ganz nebenbei wirst du damit auch zum Vorbild. Dein Kind erlebt, dass Gefühle wahrgenommen werden dürfen und dass man Verantwortung für sie übernimmt. Gelassenheit bedeutet nicht, immer ruhig zu bleiben. Sie beginnt dort, wo wir uns selbst ernst nehmen – auch in stressigen Momenten.
Ein Gedanke für danach, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist
In stressigen Momenten fühlt es sich oft so an, als würde das Kind absichtlich provozieren. Als wäre das Nicht-Mitmachen eine persönliche Strafe. Hier kann es sich lohnen zu überlegen oder auch nachzufragen, warum das Kind so reagiert hatte oder welches Bedürfnis wohl dahintersteckt. Denn: Ein Kind macht das nicht, um zu ärgern, sondern weil es gerade ein anderes Bedürfnis hat. Vielleicht möchte es etwas zu Ende bringen. Vielleicht braucht es Nähe oder ein kleines Stück Selbstbestimmung. Diese Erkenntnis ändert nicht die Situation im Moment. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass beim nächsten Mal mehr Verständnis da ist und dadurch neue Möglichkeiten, um anders zu reagieren.
Gelassenheit beginnt bei dir
Gelassen zu sein heißt, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Je öfter du diese kleinen Schritte im Alltag integrierst, desto früher spürst du, wann deine Gelassenheit ins Wanken gerät. Und dann weißt du, was dir helfen kann, oder?
Fragen zum Mitnehmen
– In welchen Momenten wirst du besonders schnell gereizt?
– Woran merkst du das – und was könnte dir helfen, ruhiger zu bleiben?
Ines Falter
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