Bitte warten

Zwischen Likes und Erwachsenwerden

Als Eltern kennt ihr sicherlich die Situation: Euer Kind ist zwar mit euch im Raum, aber mit den Gedanken längst in die bunte, verlockende Welt der sozialen Medien abgetaucht. Instagram, TikTok & Co. sind heute Kommunikationsort, Bühne und Treffpunkt zugleich. Im Schnitt verbringen dort Jugendliche über 30 Stunden pro Woche – umgeben von einer Flut aus perfekt inszenierten Bildern, Clips und Storys. Doch was macht dieser Dauerstrom an scheinbar makellosen Momenten mit dem Selbstwertgefühl junger Menschen?

Sich mit anderen zu vergleichen, gehört zum Erwachsenwerden dazu. Jugendliche grenzen sich ab, entdecken sich neu und sind besonders empfänglich für äußere Einflüsse. Doch im Internet gibt es unzählige Vergleichsmöglichkeiten und auf den sozialen Medien sorgen Algorithmen dafür, dass Teenager noch öfter perfekte Darstellungen zu sehen bekommen.

 

Wie Social Media den Druck auf Jugendliche erhöht

Viele Jugendliche lieben es, Fotos und Reels auf Instagram & Co. zu posten. Kaum ist der Beitrag online, schauen sie ständig, wie viele Likes und Kommentare sie bekommen. Zwischen all den perfekt bearbeiteten Bildern von Reisen, Outfits oder Workouts fangen Teenager an, sich zu vergleichen. Und so schleicht sich leise und unauffällig das Gefühl ein, auch immer besser aussehen oder aufregendere Dinge zeigen zu müssen.

Viele probieren Filter aus, bearbeiten ihre Bilder und achten darauf, dass alles „perfekt“ wirkt. Warum? Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, denn Likes, Follower und Kommentare bestimmen, wer „gesehen“ wird. Bekommt ein Beitrag viele Likes, erleben Jugendliche kurzzeitig Glücksgefühle. Doch meist entsteht am nächsten Tag schon wieder der Druck, etwas Neues zu posten, das noch besser ankommt. So geraten junge Erwachsene immer mehr in einen Kreislauf, in dem sie ständig nach Bestätigung suchen und sich selbst nach außen idealisiert darstellen.

 

Die Angst, nicht zu genügen

Dauerhafte Vergleiche im Netz lassen junge Menschen an sich zweifeln. Selbstkritik, Unsicherheit und die Angst, nicht genug zu sein, nehmen zu. Das kann Stress, ein niedriges Selbstwertgefühl oder sogar Angststörungen begünstigen. Besonders gefährdet sind Jugendliche mit wenig Selbstvertrauen. Für sie wirken soziale Medien wie ein ständiger Spiegel, der vermeintliche Schwächen offenlegt.

 

Vorbild statt Verbot

Als Eltern könnt ihr viel bewirken, wenn ihr das Thema offen ansprecht. Statt Verbote auszusprechen, hilft es, Interesse zu zeigen und das Gespräch zu suchen. Wichtig ist, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn wer digitale Pausen lebt, erleichtert sie auch seinem Kind. Auch Vertrauen aufzubauen, die Stärken des Kindes zu betonen und gemeinsame Offline-Zeit zu fördern, fördert das Selbstwertgefühl nachhaltig.

Wenn euer Kind Sätze äußert, wie „Alle anderen sind besser“, leicht reizbar wirkt oder sich mehr und mehr aus dem Alltag zurückzieht, ist es wichtig, aufmerksam zu werden und das Thema ohne Druck anzusprechen.

 

Unterstützung für Jugendliche und Eltern

Nehmen Sorgen, Unsicherheiten und Ängste überhand, gibt es Beratungsangebote für euch und euer Kind, zum Beispiel die der Erziehungs- oder Jugendberatungsstellen.

Eine anonyme, kostenfreie und leicht erreichbare Unterstützung findet ihr unter anderem bei:

ins-netz-gehen.de
Infoportal und Onlineberatung zur Medienkompetenz. Unterstützt Jugendliche im bewussten Umgang mit Internet, Games und Social Media.

Nummer gegen Kummer e. V.
Telefonberatung für Kinder, Jugendliche und Eltern (Kinder- und Jugendtelefon: 116 111, Elterntelefon: 0800 111 0 550).

Juuuport.de
Onlineberatung von Jugendlichen für Jugendliche. Ehrenamtliche Scouts helfen bei Problemen wie Cybermobbing oder Datenklau.

 

Soziale Medien sind aus eurem Leben und dem Leben eurer Kinder nicht mehr wegzudenken. Sie eröffnen Chancen zur Vernetzung und zur Stärkung digitaler Kompetenzen. Gleichzeitig bergen sie aber auch viel Risiken und können die mentale Gesundheit beeinträchtigen.

Offen über Social Media zu sprechen und bewusste Offline-Momente zu schaffen, hilft Jugendlichen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen digitaler und realer Welt zu finden.

Verena Apreck


Beitragsbild: sitthiphong – adobe.stock.com

Ähnliche Beiträge

So ist das erste Kita-Jahr (wirklich)

Sind wir mal ehrlich: Die meisten von uns sind froh, wenn die Eingewöhnung in...

Von Gereiztheit zu Gelassenheit

Drei Schritte, um in Stressmomenten ruhig zu bleiben Es ist eigentlich eine Kleinigkeit: Zähneputzen, anziehen,...

Gut vorbereitet?

Die Geburt deines Babys ist ein Moment, den du nie vergessen wirst. Neun Monate...

Ähnliche Beiträge

Von Gütersloh in die Welt – 150 Jahre Mestemacher

Die 150-jährige Erfolgsgeschichte von Mestemacher Pumpernickel

Letzten Beiträge

Newsletter


Jetzt anmelden und jeden Monat exklusive Tipps und Verlosungen erhalten!

HIER ANMELDEN

Dies schließt sich in 0Sekunden