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Kampfsport für Kinder

Macht das stark – oder agressiv?

„Mama, ich will Kampfsport machen!“ Bei manchen Eltern löst dieser Satz Begeisterung aus. Bei anderen eher Stirnrunzeln. Schlagen, treten, raufen – ist das wirklich eine gute Idee für Grundschulkinder?
Wir haben mit Sabine Hülz, Ju-Jutsu-Trainerin und Kursleiterin für Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, darüber gesprochen. Sie trainiert seit vielen Jahren Kinder und erlebt immer wieder, wie sehr Kampfsport junge Menschen stärken kann.

 

MACHT KAMPFSPORT KINDER AGGRESSIVER?

Diese Sorge hört Sabine häufig und kann Eltern beruhigen. „Nein, Kampfsport macht Kinder nicht aggressiver. Meist passiert das Gegenteil“, erklärt sie. Kinder, die wissen, dass sie sich im Notfall verteidigen könnten, sind oft entspannter und ruhiger. Ein weiterer wichtiger Punkt: Im Training dürfen Kinder raufen, rangeln und sich körperlich ausprobieren – kontrolliert und nach klaren Regeln. Gerade angestaute Energie aus Schule oder Alltag kann so gut abgebaut werden.

 

GUT FÜR KONZENTRATION, DISZIPLIN & TEAMFÄHIGKEIT

Viele Eltern beobachten auch, dass ihre Kinder durch das Training konzentrierter und disziplinierter werden. Das liegt daran, dass Kampfsport immer mit Körperkontakt stattfindet. Wer nicht aufpasst, kann seinem Partner wehtun. Deshalb sind Aufmerksamkeit und Rücksicht Pflicht.  Disziplin und Teamfähigkeit entstehen dabei automatisch. Techniken werden meist zu zweit geübt: Erst der eine, dann der andere. Regeln müssen eingehalten werden, sonst funktioniert das Training nicht. „Die Kinder lernen schnell, dass sie Verantwortung füreinander tragen und den anderen nicht verletzen dürfen“, sagt Sabine. Auch bei Gürtelprüfungen zählt nicht nur Technik, sondern auch das Partnerverhalten.

 

INNERE STÄRKE STATT MUSKELKRAFT

Für Sabine ist ein Punkt besonders wichtig: innere Stärke. „Die Kinder lernen Techniken, die im Verteidigungsfall funktionieren könnten. Allein dieses Wissen macht sie oft selbstsicherer.“ Diese Sicherheit zeigt sich auch in der Körpersprache. Aufrechte Haltung, klare Stimme, Körperspannung, all das gehört zum Training. Und genau diese Ausstrahlung kann dazu führen, dass Kinder gar nicht erst als Ziel für Ärger oder Mobbing ausgesucht werden.

 

SELBSTVERTEIDIGUNG: WAS KINDER REALISTISCH LERNEN

Viele Kurse werben mit „Selbstverteidigung für Kinder“. Sabine findet: Hier ist Realismus wichtig. Kinder lernen vor allem eines: Gefährliche Situationen früh zu erkennen und zu vermeiden. Sie üben, Grenzen klar zu setzen und ihre Stimme einzusetzen. „Die Stimme ist eine echte Waffe“, sagt Sabine. Im Mittelpunkt steht daher immer Prävention: Gefahren erkennen, Hilfe holen und Situationen entschärfen. Reine Schlagtechniken zu vermitteln, würde Kindern eine falsche Sicherheit geben.

 

WARUM KAMPFSPORT KINDER WIRKLICH STÄRKT

Wenn Sabine nur einen einzigen Effekt nennen dürfte, wäre es dieser: Kampfsport fördert Resilienz und Selbstvertrauen. Kinder lernen zu fallen und wieder aufzustehen. Sie erleben, dass sie über ihre eigenen Grenzen hinauswachsen können. Dass sie etwas schaffen, das zunächst schwierig erscheint.

 

AB WANN KÖNNEN KINDER ANFANGEN?

Viele Eltern sind überrascht: Erste Kurse gibt es oft schon ab vier oder fünf Jahren. In diesem Alter steht nicht der Kampf im Mittelpunkt, sondern spielerische Bewegung. Kinder lernen erste einfache Techniken, verbessern ihre Koordination und bewegen sich viel.

 

DARAN ERKENNEN ELTERN EINE GUTE TRAINER:IN

Wie bei vielen Sportarten zählt auch hier vor allem die Sympathie. Kinder müssen sich wohlfühlen und Vertrauen zur Trainerin oder zum Trainer haben. Außerdem empfiehlt Sabine, auf eine gültige Lizenz im Kampfsportbereich zu achten.

 

KURSE IN DER REGION

Sabine bietet beim Postsportverein Kurse für Kinder im Bereich Ju-Jutsu sowie Einheiten zu Selbstbehauptung und Selbstverteidigung an. Infos zu den Angeboten gibt es beim Verein. Darüber hinaus bietet sie im Juhubelhaus einen Mobbing-Präventions-Kurs für Grundschulkinder an.

Astrid Appl, Linda Just


Foto: Boris Riaposov – adobe.stock.com

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