Was Eltern für eine gesunde Fußentwicklung tun können
Unsere Füße leisten täglich Erstaunliches. Bei der Geburt bestehen sie noch überwiegend aus Knorpel und sind weich und formbar. Erst im Laufe der Jahre verknöchern sie vollständig und entwickeln ihre endgültige Struktur. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Eltern die natürliche Entwicklung unterstützen und nicht versehentlich einschränken. Mit ein paar einfachen Grundregeln lässt sich viel für gesunde Füße tun.
Am liebsten barfuß
Das Beste für Kinderfüße ist so oft wie möglich barfuß zu laufen. Barfußgehen stärkt die Fußmuskulatur, fördert Gleichgewicht und Koordination und unterstützt die Ausbildung des Fußgewölbes. Es beugt Fehlstellungen der Füße vor und sorgt für eine bessere Körperhaltung. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung geschult, denn Kinder spüren verschiedene Untergründe wie Gras, Sand oder Waldboden besonders intensiv. Diese unterschiedlichen Reize trainieren sowohl Muskeln als auch Nerven. Natürlich sollte im Freien auf Sicherheit geachtet werden, damit keine Verletzungsgefahr durch Scherben, ungeeignete Wege oder sehr kalte Untergründe besteht. Auch zu Hause dürfen Hausschuhe gerne öfter ausgezogen werden.
Der richtige Schuh
Wenn Schuhe getragen werden, sollten sie in erster Linie schützen und nicht formen. Ein guter Kinderschuh ist leicht, flexibel und atmungsaktiv. Die Sohle sollte sich im Bereich des Vorderfußes gut biegen lassen, damit das natürliche Abrollen des Fußes möglich bleibt. Im Zehenbereich braucht es ausreichend Platz, damit die Zehen nicht eingeengt werden. Atmungsaktive Materialien wie Leder oder Funktionstextilien verhindern einen Hitzestau und sorgen für ein gesundes Fußklima. Auf einen Absatz sollte grundsätzlich verzichtet werden, um die natürliche Körperhaltung nicht zu beeinflussen. Wichtig ist außerdem genügend Spielraum: Neben dem sogenannten Schubraum für die Abrollbewegung braucht der Fuß auch Zuwachsraum zum Wachsen.
Größe regelmäßig prüfen
Da Kinderfüße schnell wachsen, ist eine regelmäßige Größenkontrolle sehr wichtig. In den ersten Lebensjahren empfiehlt es sich, alle zwei Monate nachzumessen. Bei Kindergartenkindern reicht meist ein Abstand von drei bis vier Monaten, bei Schulkindern sollte mindestens zweimal im Jahr kontrolliert werden. Wichtig ist zu wissen, dass Kinder häufig nicht bemerken, wenn Schuhe zu klein geworden sind. Ihr Nervensystem im Fuß ist noch nicht voll entwickelt und deshalb ziehen sie die Zehen reflexartig ein. Ein einfaches Nachfragen genügt daher nicht. Eltern sollten die Passform regelmäßig überprüfen oder im Fachgeschäft messen lassen. Zum Nachmessen zu Hause stellt ihr euer Kind auf ein Stück Pappe und zeichnet den Fußumriss nach. An der längsten Zehe werden anschließend 12 bis 17 Millimeter für Schub- und Zuwachsraum hinzugegeben. Passt diese Schablone in den Schuh, ist die Größe geeignet.
Ist Secondhand ok?
Beim Thema gebrauchte Schuhe gehen die Meinungen auseinander. Grundsätzlich passen sich Schuhe dem individuellen Gangbild und der Fußform an. Eine bereits eingelaufene Sohle kann daher die natürliche Entwicklung eines anderen Kindes ungünstig beeinflussen. Die Annahme, dass gebrauchte Schuhe grundsätzlich schädlich seien, gilt heute allerdings als überholt. Wichtig ist, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Die Sohle darf nicht einseitig abgenutzt sein, das Innenmaterial sollte keine tiefen Abdrücke des Vorbesitzers aufweisen, und der Schuh muss stabil stehen, ohne nach innen oder außen zu kippen. Sind Sohlenprofil, Innensohle, Statik und Passform in Ordnung, spricht aus orthopädischer Sicht nichts gegen gut erhaltene gebrauchte Schuhe. Eine einmalige Desinfektion zur Entfernung von Bakterien oder Pilzen kann vor dem ersten Tragen zusätzlich sinnvoll sein.
Fazit
Für eine gesunde Fußentwicklung brauchen Kinder also vor allem passende, gut erhaltene Schuhe – und ausreichend Bewegung. Wer seinem Kind viel Gelegenheit gibt, barfuß zu laufen, zu hüpfen, zu springen oder zu balancieren, legt die besten Grundlagen für kräftige, gesunde Füße.
Sabine Tschirwitz
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