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Auch Eltern brauchen eine Pause

„Mir ist sooooo langweilig!“ – kaum ein Satz bringt Eltern so zum Schwitzen wie dieser. Natürlich wollen wir unsere Kinder nicht den ganzen Tag vor dem Tablet oder dem Fernseher parken. Aber wir brauchen auch mal Zeit zum Durchatmen, für den Wäscheberg oder einfach für eine gemütliche Tasse Kaffee.
Entwarnung: Kinder können lernen, sich allein zu beschäftigen! Dann bekommen nicht nur wir Eltern Zeit für uns. Unsere Kinder werden auch selbstständiger, kreativer und zufriedener. Klingt super? Es ist gar nicht schwer.

Alleinsein üben – Schritt für Schritt

Viele Kinder sind es gewohnt, dass wir Eltern sofort aufspringen, wenn Langeweile aufkommt. Auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit helfen kleine Inseln des Alleinseins. Lass dein Kind immer wieder allein in seinem Zimmer spielen und halte dich bewusst zurück. Ein kurzer Hinweis wie: „Jetzt spielst du mal zehn Minuten allein, danach komme ich dazu“ schafft für das Kind einen sicheren Rahmen.

Die „vorbereitete Umgebung“

Maria Montessori hat es auf den Punkt gebracht: Kinder entfalten sich am besten in einer Umgebung, die ihnen passende Materialien bietet. So kannst du die Kreativität deiner Kinder anregen:

Malen und Basteln: Eine Box mit buntem Papier, Stiften, Kleber, Schere und Washi-Tape. Auch alte Pappschachteln oder Prospekte können inspirieren.

Basteltisch oder Schrank: Ein fester Platz für Material sorgt dafür, dass deine Kinder jederzeit loslegen können.

Ideensammlung: Zu Anlässen wie Halloween oder Weihnachten könnt ihr gemeinsam auf Pinterest stöbern, passende Bastelideen ausdrucken und das Material bereitstellen. So ist der Einstieg leicht, ohne dass wir Eltern alles vorplanen müssen.

Schätze wiederentdecken

Es ist nicht nötig, ständig neues Spielzeug zu kaufen. Wer alte Spiele, Puzzles oder die Lego-Kiste für eine Weile wegräumt, kann nach Wochen oder Monaten echte Schatztruhen wieder hervorzaubern. Kinder erleben die Dinge fast wie neu – und sind sofort vertieft.

Gemeinsam, aber selbstständig

Auch Freundschaften fördern Selbstbeschäftigung. Verabredungen am Nachmittag bieten die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen zu spielen oder kreativ zu werden.  Mit etwas Unterstützung können sich eigene Rituale oder gemeinsame Hobbys entwickeln: z.B. Koch- oder Backnachmittage. Anfangs brauchen die Kinder noch unsere Unterstützung in der Küche. Doch mit der Zeit können sie eigenständig Plätzchen backen oder Muffins verzieren.

Bücherwelten entdecken

Wie wäre es mit einem Ausflug in die Bibliothek oder einen Buchladen? Unsere Kinder lieben es, herumzustöbern und selbst ein Buch auszuwählen. Zuhause kuscheln sie sich dann in ihre gemütliche Leseecke – einen Kissenberg mit einer kleinen Lampe. Wer abends 15 Minuten früher ins Bett geht, hat Zeit für ein ruhiges Lese-Ritual. So lernen deine Kinder, dass Geschichten genauso spannend sein können wie ein Film.

Langeweile zulassen

So schwer es fällt: Langeweile ist kein Feind, sondern eine Chance. Aus ihr entstehen oft die besten Spiele, Erfindungen oder Fantasiewelten. Wenn wir unseren Kindern nicht sofort Ablenkung bieten, suchen sie eigene Wege und trainieren so ihre Kreativität.

Eltern dürfen loslassen

Es ist nicht unsere Aufgabe, jede Minute zu füllen. Wer seinen Kindern zutraut, selbst aktiv zu werden, schenkt ihnen wichtige Erfahrungen: Selbstbestimmung, Konzentration und Selbstvertrauen. Montessori nannte das die „Normalisierung“ des Kindes. Gerade in einer Welt, die Kinder in vorgegebene Strukturen pressen möchte, ist es besonders wichtig, dass wir ihnen auch den Raum geben, ihre eigene Identität zu entfalten.

Kinder lernen Selbstständigkeit nicht von heute auf morgen, aber mit Geduld, kleinen Schritten und den richtigen Materialien gelingt es. Das Beste daran ist, dass wir Eltern dann auch Zeit für uns und unsere Bedürfnisse haben. Vorausgesetzt, wir haben gelernt, uns selbst zu beschäftigen. Falls nicht, dürfen wir jetzt damit anfangen. Denn laut Montessori ist es „nie zu spät, kreativ zu sein“.

Astrid Appl, Linda Just


Beitragsbild: simona  – adobe.stock.com

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