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Richtig trösten

Hand aufs Herz: Ist dir so ein Satz auch schon mal rausgerutscht? „Ist doch halb so wild.“ Oder „Deshalb musst du doch nicht weinen.“ Und „Jetzt sei nicht so empfindlich.“
Fast immer steckt dahinter ein liebevoller Rettungsversuch: Wir möchten trösten, beruhigen, den Schmerz leichter machen. Trotzdem kann beim Kind ankommen: Mein Gefühl ist falsch. Und genau da beginnt die spannende Frage: Was tröstet Kinder wirklich und was brauchen sie in welchem Alter?

 

Kleinkinder: Halten statt erklären

Bei kleinen Kindern ist Trauer oft riesengroß, auch wenn der Auslöser aus Erwachsenensicht winzig wirkt: Der Luftballon fliegt weg. Oma und Opa fahren nach den Ferien nach Hause. Das Kuscheltier ist verschwunden. Die erste Nacht im eigenen Bett fühlt sich an wie ein Umzug auf den Mond.

Kleinkinder haben noch wenig Gefühl für Zeit, Ursache und Zukunft. „Morgen sehen wir Oma wieder per Video“ ist schön aber der Körper schreit trotzdem: Weg! Für immer! In diesem Alter hilft vor allem Nähe. Dasein. Ruhig atmen. Wenig reden.

Was nicht hilft, sind Sätze wie: „Du musst nicht traurig sein.“ oder noch schlimmer der altbekannte Satz: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Gefühle werden nicht kleiner, wenn man sie verbietet. Sie werden nur einsamer.

Hilfreiche Sätze sind: 
„Du bist traurig. Oma fehlt dir.“ Und: „Ich bin da.“ Oder: „Das fühlt sich gerade ganz schwer an.“
Was zusätzlich helfen kann, wenn der Schmerz abgeklungen ist: Ein kleines „Trost-Tier“ einführen, das zukünftig bei Abschieden mitkommt. Oder einen konkreten Ausblick schaffen: „Wir kleben einen Sticker in den Kalender. Da besuchen wir Oma & Opa wieder.“

 

 

Grundschulkinder: Nähe vor Lösung

In der Grundschulzeit werden Gefühle komplexer. Trauer kommt jetzt gern im Doppelpack mit Wut: Die beste Freundin spielt mit jemand anderem. Das Weihnachtsgeschenk war „komplett falsch“. Ein Verbot fühlt sich an wie der Untergang der Kinderrechte.

Grundschulkinder können schon besser nachdenken – aber nicht mitten im Gefühlsgewitter. Der schöne pädagogische Satz dazu lautet: Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist. Also: erst auffangen, später reden.

Statt „Jetzt reg dich doch nicht so auf“ lieber: „Das hat dich richtig geärgert.“ Und: „Komm, ich setz mich kurz zu dir.“ Oder: „Willst du in den Arm oder lieber erst mal Ruhe?“

Wenn die Welle vorbei ist, kann man gemeinsam sortieren: Was genau war schlimm? Was hat dich so wütend gemacht? Möchtest du noch etwas sagen, schreiben oder gutmachen?

So lernen Kinder Schritt für Schritt, Gefühle nicht nur zu haben, sondern mit ihnen umzugehen:
1. Gefühle benennen
2. Auslöser verstehen und
3. Emotionen wertfrei annehmen

 

Pubertät: Weniger reparieren, mehr aushalten

Und dann: Pubertät. Willkommen im Land der großen Gefühle, zugeschlagenen Türen und Gesprächen, die manchmal nur aus „Keine Ahnung“ bestehen.

Die Themen werden größer: Freundschaften, Noten, Körper, Liebe, Zukunft, Vergleiche. Gleichzeitig halten Jugendliche Eltern eher auf Abstand. Das ist normal und für Eltern trotzdem hart. Trost bedeutet jetzt nicht mehr automatisch Umarmung und Kakao. Manchmal heißt Trost: verfügbar bleiben, ohne sich aufzudrängen.

Ein guter Satz kann sein: „Möchtest du, dass ich nur zuhöre – oder willst du meine Einschätzung?“ Ungefragte Ratschläge fühlen sich für Teenager schnell wie Bewertung an.

Viele Jugendliche reden nicht dann, wenn Eltern bereitstehen mit Tee, Taschentuch und 17 Lösungsideen. Sondern abends, halb im Dunkeln, wenn eigentlich Schlafenszeit ist. Dann lohnt es sich, sitzen zu bleiben und zuzuhören.

Was auch helfen kann: Ein Tagebuch. Ein Gespräch mit einer vertrauten erwachsenen Person. Und für Situationen, in denen Jugendliche nicht mit Eltern sprechen möchten, gibt es anonyme Hilfe, zum Beispiel die „Nummer gegen Kummer“ unter 116 111 für Kinder und Jugendliche. Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0550.

 

Trost als Beziehungsangebot

Trost ist kein Zaubertrick. Trost heißt nicht: Gefühl wegzaubern. Trost heißt: Ich bin da, während du da durchgehst. Trost ist die Brücke von „Ich halte das nicht aus“ zu „Ich bin nicht allein damit“. Kein perfekter Satz. Kein pädagogisches Feuerwerk. Nur Du. Ein Arm. Ein offenes Ohr. Und die stille Botschaft: Dein Gefühl darf da sein und ich bin es auch.

Astrid Appl, Linda Just


Beitragsbild: Dragana Gordic – adobe.stock.com; fizkes – adobe.stock.com

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