Die Lerncoaching-Praxis – wie wird mein Schulkind selbstständig?

Mit Hausaufgaben alleine klarzukommen, sollten Kinder lernen. Das hilft auch in der weiterführenden Schule.

Schule und Eigenverantwortung – zwei Worte, die untrennbar zusammengehören. Bereits in der Grundschule tun Eltern gut daran, ihre Kinder im schulischen Alltag zwar immer zu unterstützen, ihnen jedoch ihren Job, nämlich den des Schülers/der Schülerin, nicht gänzlich abzunehmen.

So buchte vergangene Woche die Mutter der 9-jährigen Johanna einen Termin in meiner Lerncoaching-Praxis und bat mich um Hilfe, da sie das Gefühl hatte „selbst noch mal zur Schule zu gehen.“

„Ich habe das Gefühl, selbst noch mal zur Schule zu gehen“

Frau P.: „Also ich weiß auch nicht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin die Schülerin und nicht Johanna.“

Lerncoach: „Sie fühlen sich, als ob Sie Ihrem Kind alles abnehmen müssten? Woher kommt dieser Eindruck?“

Frau P.: „Naja, wenn Johanna nach Hause kommt, dann sitzen wir erst einmal mindestens 1,5 Stunden gemeinsam am Schreibtisch. Sobald ich mich entferne, arbeitet sie nicht mehr weiter oder ruft ständig nach mir. Auch beim Lernen muss ich immer bei ihr sein und den Lernstoff Schritt für Schritt gemeinsam mit ihr noch mal erarbeiten. Vielleicht war das auch mein Fehler. Ich hab‘ das halt seit dem 1. Schultag so eingeführt, weil ich wollte, dass sie alles richtig macht und keine Fehler in den Hausaufgaben hat.“

Lerncoach: „Johanna ist offensichtlich daran gewöhnt, dass Sie immer neben ihr sitzen und sie sich bei Ihnen rückversichern kann, dass ihre Hausaufgaben richtig sind bzw. dass sie beim Lernen auf dem richtigen Weg ist. Machen Sie ihr doch den Vorschlag, dass Sie zu Beginn der Hausaufgaben bzw. des Lernens alles gemeinsam durchgehen und Johanna dann erst einmal alleine arbeitet. Sollten Fragen aufkommen, dann könne sie jederzeit nach Ihnen rufen. Fehler in den Hausaufgaben sind im Übrigen gar nicht schlimm, sondern erhöhen die Aufmerksamkeit bei der Verbesserung im Unterricht. Wer im Voraus schon weiß, dass alles richtig ist, der passt nicht mehr wirklich auf, wenn in der Schule dann die Hausaufgaben besprochen werden. Der Lerneffekt ist somit nicht wirklich gegeben.“

Wie lernt mein Kind sich zu organisieren?

Frau P.: „Das könnte ich ihr einmal vorschlagen. Aber es sind nicht nur die Hausaufgaben und das Lernen. Ich muss sie an alle Abgabetermine erinnern. Von alleine denkt sie nie daran, z. B. einen Elternbrief abzugeben.“

Lerncoach: „Hat Johanna denn eine Pinnwand in ihrem Zimmer? Ab der Einschulung ist diese Anschaffung sehr sinnvoll. Die Pinnwand kann in die einzelnen Wochentage unterteilt werden. Vor dem Zubettgehen wird gemeinsam nachgesehen, was für den morgigen Tag eingepackt werden muss. Turnbeutel, Bücher für die Schulbücherei oder ähnliches können in Form von Bildern ebenfalls an der Pinnwand angebracht werden. Im Laufe der Zeit lernt Johanna so, sich am Abend vorher alles zurecht zu legen und einzupacken, damit am folgenden Tag nichts vergessen wird. Das erspart auch viel Stress am nächsten Morgen.“

Frau P.: „Das ist eine gute Idee. Die werden wir gleich in die Tat umsetzen. Und wie schaffen wir es, dass Johanna allmählich lernt, sich rechtzeitig auf die nächste Probe vorzubereiten?“

Wann lernen Kinder eigenverantwortlich?

Lerncoach: „Das ist ein sehr komplexes Thema und bedarf viel Zeit und Übung. Nicht alle Kinder sind dazu schon in der Grundschule in der Lage. Wir können Johanna aber immerhin langsam an dieses Thema heranführen. Hier empfehle ich einen Jahresplaner für die Pinnwand, in dem alle Schulaufgabentermine eingetragen werden. Am Anfang der Woche sieht man dann direkt, was auf einen zukommt. Steht am Donnerstag eine Musikprobe an, kann man so schon am Montag sehen, dass es klug wäre, mit dem Lernen zu beginnen und stellt nicht erst einen Tag davor erschrocken fest, dass man jetzt viel zu wenig Zeit dafür hat.“

Frau P.: „Ok, das klingt logisch. Bisher standen die Termine immer in ihrem Hausaufgabenheft, das ich oft nicht zu Gesicht bekommen habe oder in diesem ganzen Kritzelkratzel einfach überlesen habe. Das werden wir ausprobieren.“

Wenn Eltern ihren Kindern die komplette Organisation des Schulalltags abnehmen, haben diese nicht nur einen enormen Mehraufwand, sondern ihre Kinder lernen auch nicht, sich selbst zu organisieren.

Dies ist jedoch enorm wichtig, um später an der weiterführenden Schule nicht den Überblick zu verlieren. Des Weiteren sind Struktur und Ordnung von wesentlicher Bedeutung, wann immer es um das Thema Lernen geht. Wer seine Kinder von Anfang an so begleitet, leistet einen wichtigen Beitrag zur Eigenverantwortung und Selbstständigkeit im Schulalltag.

 

Bildnachweis: Susanne Dobner

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