Schlaf gut! Bettkanten-Gespräche

Die letzten Minuten des Tages mit deinem Kind sind vielleicht die Wichtigsten. Ein Ritual, das für entspannte Nächte sorgen kann.

Für viele Menschen zählen die allabendlichen Bettkantengespräche mit den Eltern zu den schönsten Kindheitserinnerungen. Abends, wenn man im warmen Bett lag, Mama oder Papa sich dazu setzte und über den Tag geplaudert wurde. In solch innigen Momenten gibt es für unsere Kinder, die immer im Hier und Jetzt leben, nur sie selbst und Mama/Papa. Heutzutage geht es abends oft noch sehr hektisch zu und manche Eltern sind einfach nur froh, wenn der Tag beendet ist und die Kinder im Bett liegen. Dabei sind Bettkantengespräche so wertvoll für die Beziehung zu unserem Kind.

Wie ging es dir heute? Wie war dein Tag?

In manchen Familien gibt es tagsüber kaum die Möglichkeit sich zu unterhalten. Oft sitzt die gesamte Familie erst beim Abendbrot gemeinsam am Tisch. Nach der Schule müssen schnell die Hausaufgaben gemacht werden, denn der Nachmittag ist gefüllt mit Hobbys, Verabredungen oder Verpflichtungen. Kaum jemand kann sich im hektischen Alltag die Zeit nehmen und sein Kind aufmerksam fragen: „Wie war denn dein Tag?“.

Doch am Abend, wenn alles erledigt ist, sollten wir uns Zeit nehmen und unseren Kindern zuhören. Zehn bis fünfzehn Minuten schenken wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und lauschen, was sie uns von ihrem Tag berichten. Oft gab es da nämlich etwas, was sie besonders bewegt, glücklich oder traurig gemacht hat. Sie möchten es sich von der Seele reden, brauchen unseren Rat oder wollen unsere Meinung. Häufig kommen dann Dinge zur Sprache, die sie schon länger mit sich herumtragen. Nehmen wir uns die Zeit nicht, dann erfahren wir womöglich nie oder erst viel später davon.

Quality-Time anstatt hektischem Zubettbringen

Viele Eltern haben abends keine Kraft mehr für ein aufwendiges Zubettgeh-Ritual. Der Tag war anstrengend, es muss noch etwas in Ruhe erledigt werden oder man möchte auch endlich Feierabend haben. Wenn wir es jedoch nicht als zusätzlichen Aufwand betrachten, sondern als Quality-Time mit unseren Kindern, fällt es uns deutlich leichter uns darauf einzulassen. Viele Kinder trödeln dann besonders gerne, denn die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern soll bitte nicht so schnell wieder vorbei sein. Wenn auch du dich darauf freust, jetzt gleich eine Runde mit deinem Kind zu kuscheln, ihm eine Geschichte vorzulesen oder mit ihm über den Tag zu sprechen, dann wird aus der zusätzlichen allabendlichen Aufgabe ein Ritual, das für euch beide zum Tagesabschluss dazugehört. Deine Einstellung und deine Stimmung übertragen sich auf dein Kind. Und womit lässt es sich besser einschlafen als mit einem positiven Gefühl?

Auch negative Gefühle brauchen Platz

An manchen Tagen gab es vielleicht etwas, was dein Kind traurig gemacht hat oder was es sogar belastet. Auch darüber muss gesprochen werden. Wer viele Sorgen schultert, findet schlecht in den Schlaf. Höre dir die Sorgen und Ängste deines Kindes an und sprich mit ihm darüber. Wichtig ist jedoch, dass ihr euer Gespräch mit einem positiven Gedanken abschließt. Also am besten zuerst fragen „Gab es heute denn etwas, was nicht so schön war?“ und anschließend auffordern: „Und jetzt erzählst du mir mal, was du heute am tollsten fandest!“

Mit sortierten Gedanken schläft es sich besser

Manchmal schätzen wir völlig falsch ein, welche Ereignisse unser Kind als bedeutsam einstuft, was es wahrgenommen hat und wie es Situationen aufnimmt. Oft kommt es beim gemeinsamen Bettkantengespräch zu einem regelrechten Aha-Erlebnis – auf beiden Seiten. Außerdem hilft das Gespräch deinem Kind die Ereignisse des Tages einzuordnen, zu verstehen und zu bewerten. Eine wunderbare Möglichkeit also, das Erlebte nicht heimatlos im Unterbewusstsein herumirren zu lassen, sondern zu verarbeiten. Kinder unter drei Jahren können ihr Verhalten noch nicht reflektieren und analysieren. Wenn wir am Abend nicht endlose Fragen stellen, sondern einfach mit ihnen über ihren Tag sprechen, dann lernen sie ihre Gefühle und ihr Verhalten in Worte zu verpacken und zu begreifen.

Und wenn mein Kind nicht gerne erzählt?

Wenn Mama oder Papa fragen: „Wie war dein Tag?“ kommt oft nur ein „Gut“ oder „Okay“. Bohre nicht weiter nach, wenn dein Kind einmal keine Lust hat zu reden. Es wird zu dir kommen, wenn es soweit ist. Falls es eher zu der Sorte gehört, die generell wenig spricht, dann versuche sogenannte „offene Fragen“ zu stellen. Anstatt „War es heute schön in der Schule?“ besser „Was hast du denn heute in der Pause gespielt?“ oder „Was habt ihr heute in Englisch gelernt?“.

Selbstverständlich wird es auch Tage geben, an denen einem einfach nicht nach Reden zumute ist – weder den Eltern, noch dem Kind. Das ist in Ordnung und sollte respektiert werden. Wer weiß, dass die Eltern auch morgen noch gerne zuhören und Interesse haben, wird dennoch gut einschlafen können.

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