Hausaufgaben-Stress – Tipp aus der Lerncoaching-Praxis

Das muss man wissen um den Stress am Nachmittag zu vermeiden.

Hausaufgaben – viele Familien verbinden vor allem Stress, Streit und zähe Nachmittage mit diesem Wort. Was eigentlich dazu gedacht ist, den in der Schule erlernten Stoff noch einmal zu vertiefen, artet in einigen Familien regelrecht zum Kampf aus.

Hausaufgabenstress  – ein Alltagsthema

So auch bei Kathrin und ihrer Tochter Laila. Die Zweitklässlerin verbringt nach der Schule viele Stunden am Esstisch, es gibt Tränen und nicht selten auch Zoff. Die Situation ist verfahren und Kathrin weiß nicht, wie sie da wieder herauskommen sollen.

Kathrin: „und dann sitzt sie da – eine, anderthalb, manchmal sogar fast 2 Stunden und ist mit ihren Hausaufgaben beschäftigt. Oft beobachte ich sie, wie sie Löcher in die Luft starrt und rumtrödelt. Ich habe dann einfach keine Geduld mehr, schließlich ist es auch meine Zeit, die sie verbummelt.“

Lerncoach: „Sie haben also den Eindruck, dass Laila nicht konzentriert arbeitet und fühlen sich von ihr provoziert?“

Kathrin: „Ja total. Ich meine, sie ist in der zweiten Klasse. Andere schaffen das in 30 Minuten.“

Konzentration bei Achtjährigen: 15 Minuten

Lerncoach: „Laila ist 8 Jahre alt? Dann liegt die durchschnittliche Konzentrationsspanne Ihrer Tochter bei ca. 15 Minuten. Spätestens dann braucht Laila eine Pause. 2-5 Minuten sind völlig ausreichend. Am besten geht sie einmal kurz ans offene Fenster, frische Luft schnappen oder läuft ein paar Runden um den Tisch. Bewegung und frische Luft bringen das Gehirn wieder auf Touren und sie hat neue Energie, um sich wieder konzentrieren zu können. Dass Laila, wie Sie sagen, sitzt und Löcher in die Luft starrt, ist ein klares Zeichen für Hausaufgabenstress und dass sie sich nicht mehr konzentrieren kann. Pausen sind enorm wichtig. Wer arbeitet, muss sich auch erholen.“

Kathrin: „Ach ja? Das war mir gar nicht so bewusst. Das probiere ich aus. Wir kommen aber auch oft an einen Punkt, wo sie nur noch jammert, wütend ist und mir manchmal auch überfordert vorkommt. Aber wenn wir nach der Schule erst mal etwas anderes machen, dann werden wir ja gar nicht mehr fertig.“

Ist das Kind überfordert?

Lerncoach: „Laila kommt also aus der Schule und macht dann direkt ihre Hausaufgaben? Das kann durchaus zu Überforderung führen. Ein Schultag ist anstrengend. Gerade in diesem Alter. Ihre Tochter musste lange stillsitzen, viele Regeln einhalten, sich konzentrieren, Anweisungen befolgen, zuhören und auch die sozialen Interaktionen mit den Klassenkameraden sind nicht immer einfach. Da kommt am Vormittag einiges zusammen, was Ihrer Tochter eine Menge Disziplin abverlangt. Lassen Sie Laila doch einmal selbst entscheiden, wann sie sich nach der Schule bereit dazu fühlt, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Weihen Sie die Lehrerin in diesen Plan ein. Wenn Laila am nächsten Tag wegen akuter Unlust keine Hausaufgaben gemacht hat, dann muss sie dafür bei ihrer Lehrerin geradestehen.“

Kathrin: „Okay, ich bin noch etwas skeptisch, ob das der richtige Weg ist. Aber einen Versuch wäre es wert. Laila würde dann gleichzeitig auch lernen, die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen. Was mich aber richtig wütend macht ist, wenn sie anfängt zu weinen und in Selbstmitleid versinkt.“

Lerncoach: „Wenn es öfters Tränen gibt, dann sollten wir der Sache auf den Grund gehen. Ich vermute jedoch, dass das für Laila eine Art Ventil ist, um den am Vormittag aufgestauten Druck abzubauen. Reden Sie ihr gut zu. Sätze wie „Mathe machen wir jetzt noch und dann schauen wir mal aus dem Fenster, ob Frau Schacher mit Hasko wieder im Garten ist“ oder „Ich weiß du kannst noch nicht alle Wörter fehlerfrei schreiben, aber dafür üben wir ja jeden Tag“ geben Mut.

Kathrin: „Diese Sätze muss ich mir merken. Was ich bisher gesagt habe, hat die Situation eigentlich nur noch verschlimmert. Ich schätze, wir müssen wohl beide an uns arbeiten.“

Der Tipp aus der Lerncoaching-Praxis

Jeder Schüler leistet den kompletten Vormittag, nicht selten sogar bis in den Nachmittag hinein, ein gewaltiges Pensum. On top noch Hausaufgaben und Lernen führt oftmals schon in sehr jungen Jahren zu Überforderung. Stehen dann noch viele zusätzliche Termine an, endet es nicht selten in einer Katastrophe.

Zeigen, oder noch besser, leben wir unseren Kindern also vor, dass sie in dieser hektischen Welt stets die Verbindung in ihr Innerstes spüren sollen. Sie dürfen uns ein Zeichen geben, wenn es ihnen zu viel wird. Hausaufgaben sind wichtig und haben ihre Daseinsberechtigung, die (psychische) Gesundheit unserer Kinder aber auch! Deshalb sollten wir alles tun um Hausaufgabenstress zu vermeiden.

 

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