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Lerncoachingpraxis: Schulstress?!?

Das Absacken schulischer Leistungen hat nicht immer nur etwas mit der Schule zu tun.

Anastasia, 14 Jahre, kam mit ihrem Vater in die Lerncoachingpraxis. Ingo war besorgt über die schulischen Leistungen seiner Tochter. Anastasia war eigentlich immer eine gute Schülerin gewesen, vor allem in Deutsch, Chemie und Geschichte hatte sie sehr gute Noten. Seit ca. 6 Monaten sinken die Leistungen rapide. Noch dazu möchte Anastasia immer häufiger morgens nicht zur Schule gehen, unter dem Vorwand, es ginge ihr nicht gut. Ingo weiß nicht mehr weiter. Der Lerncoach spricht getrennt voneinander mit Tochter und Vater über den Schulstress.

Ingo: „Ich weiß nicht, wieso Anastasias Leistungen auf einmal so abfallen. Wenn ich sie frage, ob in der Schule etwas vorgefallen ist, dann verneint Anastasia. Aber irgendeinen Grund muss es doch geben.“

Lerncoach: „Nicht immer ist die Ursache allein in der Schule zu suchen. Mir fällt da z. B. noch ihr häusliches Umfeld ein. Gab es denn Veränderungen bei Ihnen zuhause?“

Ingo überlegt: „Hm… naja… Das ist schon etwas länger her, ungefähr 1,5 Jahre. Meine Frau hat vorher am Flughafen gearbeitet. In der Pandemie war da natürlich nicht mehr viel los und sie musste sich nach etwas neuem umsehen, was gar nicht so leicht war. Jetzt arbeitet sie seit gut 10 Monaten in einem CallCenter.“

Lerncoach: „Hat denn dieser Jobwechsel Auswirkungen auf Ihr Familienleben?“

Ingo: „Jetzt wo Sie es sagen… ja, hat er. Meine Frau arbeitet nun oft in der Nachmittagsschicht bis 20:00 Uhr, da die Kolleginnen kleinere Kinder haben und am Nachmittag zuhause sein wollen. Also, wenn ich es mir recht überlege, dann hat dieser Wechsel schon einen ziemlich großen Einfluss auf unseren Alltag.“

Schulstress
(c) Pixabay / AlexasFotos

… Der Lerncoach schlägt vor, dieses Thema mit Anastasia zu besprechen und bittet nun sie ins Zimmer. Ingo wartet währenddessen vor der Tür auf seine Tochter.

Der Lerncoach bespricht den Schulstress…

Lerncoach: „Anastasia, du weißt, warum ihr heute hier seid? Dein Vater macht sich Sorgen um deine schulischen Leistungen. Er glaubt, dass dich etwas bedrückt, kann sich aber nicht vorstellen was. Auf seine Frage, ob in der Schule alles in Ordnung sei, hättest du mit ja geantwortet.“

Anastasia: „Ja, in der Schule ist ja auch alles ok. Nur halt Zuhause nicht.“

Lerncoach: „Du findest also, dass sich euer Familienleben geändert hat? Magst du mir mehr darüber erzählen?“

Anastasia: „Mama hat vor Corona am Flughafen gearbeitet. Den Job hat sie dann verloren. Jetzt arbeitet sie in einem CallCenter und kommt immer erst um 21:00 Uhr nach Hause. Ich sehe sie eigentlich überhaupt nicht mehr. Vormittags bin ich in der Schule und wenn ich nach Hause komme, ist sie schon weg. Am Wochenende ist sie dann so erschöpft, dass sie sich viel ausruhen muss. Irgendwie komme ich mir vor, als ob ich ihr überhaupt nicht mehr wichtig bin. Papa hat auch nur seine Arbeit im Kopf. Ständig redet er davon, dass er unbedingt Termine einhalten muss, weil die Firma schon genug Verluste durch Corona gemacht hat. Der hat auch keine Zeit für mich. Was ich mache, interessiert die beiden doch gar nicht.“

Lerncoach: „Du hast also das Gefühl, dass sich niemand mehr für dich interessiert?“

Anastasia: „Ja, genau. Und wenn ich eh allen egal bin, dann kann ich auch in der Schule nachlassen. Interessiert doch sowieso keinen.“

Lerncoach: „Du würdest dir also wünschen, dass deine Eltern wieder mehr Zeit für dich hätten?“

Anastasia: „Ja, klar! Ständig sagen sie, ich sei doch jetzt schon ihre Große und wie toll es ist, dass ich so selbstständig bin. Aber ich brauche sie trotzdem noch. Ich kann das nicht alles alleine machen. Wenn meine Noten schlechter werden, dann fragt mich wenigstens mal wieder jemand, wie es mir geht…“

In einem anschließenden Gespräch mit Vater und Tochter konnte der Lerncoach vermitteln, Missverständnisse aus dem Weg räumen und dafür sorgen, dass die beiden wieder miteinander kommunizieren.

Bevor Heranwachsende Schwierigkeiten machen, haben sie oft welche.
Das Absacken schulischer Leistungen hat nicht immer nur etwas mit der Schule an sich zu tun. Oft sind es andere Sorgen und Nöte, die Kinder plagen. Ein Perspektivenwechsel, externe Hilfe oder eine allumfassende Betrachtung kann oft helfen, das Problem zu lösen.

Bildnachweis Beitragsbild: Pixabay_ambermb

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