Bitte warten

Warum hört mein Kind nicht?

Wenn Bitten ins Leere laufen

Du sagst zum dritten Mal: „Zieh bitte deine Schuhe an!“ doch dein Kind sitzt seelenruhig auf dem Boden und spielt. Oder dein Teenie vergisst zum wiederholten Mal den Müll rauszubringen. Es kann wahnsinnig frustrierend sein, wenn Kinder nicht hören. Doch oft steckt mehr dahinter als Trotz oder Vergesslichkeit, denn Kinder „hören“ anders.

 

 

 

 

Nicht böswillig, nur beschäftigt

Kleinkinder leben komplett im Hier und Jetzt. Wenn dein 3-Jähriger mitten im Spiel steckt, existiert für ihn keine andere Realität. Nicht, weil er dich ärgern will, sondern weil sein Gehirn deine Worte nicht sofort verarbeiten kann. Außerdem kann dein Kind in diesem Alter die Konsequenzen noch nicht abschätzen. Aussagen wie: „Wenn wir jetzt nicht gehen, kommen wir zu spät“, sagen einem Dreijährigen gar nichts.

 

 

 

 

 

Grenzen testen erlaubt

In diesem Alter beginnt das große Ausprobieren. Was passiert, wenn ich es nicht mache? Kinder lernen, dass sie eigene Entscheidungen treffen können und testen damit natürlich deine Geduld. Gleichzeitig ist ihr Arbeitsgedächtnis noch nicht voll ausgereift. Wenn du sagst: „Mach bitte erst deine Hausaufgaben, räum dann dein Zimmer auf und danach kannst du Tablet spielen“, kann es gut sein, dass nur der letzte Teil hängen bleibt.

 

 

 

 

 

Autonomie statt Anweisung

Teenies sind Meister des Augenverdrehens. Sie wollen selbst entscheiden, was wichtig ist und das ist selten das, was du gerade willst. Gleichzeitig sind sie im Umbruch: hormonell, emotional, sozial. Wenn dein Teenager auf Durchzug stellt, hat das wenig mit Rebellion zu tun. Es ist ein Balanceakt zwischen „Ich will ernst genommen werden“ und „Ich weiß selbst noch nicht, wie ich mit allem umgehen soll.“

 

Natürlich gibt es auch altersunabhängige Gründe, warum dein Kind nicht hört. Wenn du rufst: „Zimmer aufräumen!“, während dein Kind mit etwas beschäftigt ist, verpufft das. Aufmerksamkeit ist keine Einbahnstraße. Es kann aber auch sein, dass du zu viel redest. Kinder schalten ab, wenn sie mit Erklärungen überrollt werden. Einfache, klare Ansagen wirken oft besser. Ein weiterer Grund ist, dass sie oft keine echte Wahl haben. „Willst du jetzt duschen oder in fünf Minuten?“ gibt deinem Kind ein Stück Kontrolle, was die Kooperationsbereitschaft steigert. Manchmal fehlt auch echter Kontakt. Kommunikation ist mehr als Worte. Wenn dein Kind dich nicht anschaut, hört es dich vielleicht gar nicht wirklich. Es geht nicht darum, dass dein Kind immer hört, sondern dass ihr euch versteht. Das ist Arbeit, aber eine, die sich definitiv lohnt.

 

 

 

 

 

 

Blickkontakt aufnehmen
Geh auf Augenhöhe, bevor du dein Kind ansprichst. Berühre es leicht an der Schulter und suche Blickkontakt. Erst wenn du seine Aufmerksamkeit hast, kommt deine Botschaft an.

 

Weniger ist mehr
Anstatt langer Erklärungen genügt ein: „Bitte häng deine Jacke auf.“ Punkt. Du kannst später noch erklären warum, aber nicht im Moment der Ansage.

 

Klar statt vage
„Sei bitte lieb“ ist schwammig. Was heißt das? „Bitte hau deine Schwester nicht.“ ist viel konkreter. So weiß dein Kind genau, was du meinst.

 

Entscheidungen ermöglichen
Kinder hören besser, wenn sie das Gefühl haben, mitentscheiden zu dürfen. Statt: „Du gehst jetzt ins Bett“, lieber: „Willst du zuerst Zähne putzen oder deinen Schlafanzug anziehen?“

 

Wiederholen lassen
Gerade bei Grundschulkindern hilft es, wenn sie dir kurz wiedergeben, was du gesagt hast. So merkst du gleich, ob sie es wirklich verstanden haben.

 

Lob fürs Zuhören
Positive Verstärkung wirkt. „Danke, dass du gleich gekommen bist, als ich dich gerufen habe“, motiviert mehr als ein genervtes „Endlich!“

 

Und wenn’s trotzdem kracht?
Natürlich klappt das nicht immer. Es ist völlig normal, mal lauter zu werden. Wichtig ist, dass ihr danach wieder den Weg zueinander findet. Kinder lernen vor allem durch dein Vorbild – auch darin, wie man mit Fehlern umgeht. Am Ende geht es nicht darum, dass dein Kind immer hört, sondern dass ihr euch versteht. Das ist Arbeit, aber eine, die sich definitiv lohnt.

 

Tipp zum Schluss

Manchmal hören Kinder besser, wenn du nicht redest. Ein fragender Blick, eine offene Hand oder ein Augenzwinkern sagen oft mehr als Worte. Probier’s aus!

Carolin Deutschmann


Beitragsbilder: iStock.com/PeopleImages ; iStock.com/Dejan_Dundjerski; iStock.com/LittleBee80

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