Über 40.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern haben im Schuljahr 2024/25 eine Klasse wiederholt.
17.000 warensitzengeblieben, 23.000 wiederholten freiwillig.
Beinahe ein Viertel aller Schulkinder hat im Alter von 15 Jahren also bereits einmal eine Ehrenrunde gedreht.
Ob das Sitzenbleiben sinnvoll ist, bleibt umstritten. Manche Kinder starten nach einem Wiederholungsjahr gestärkt neu durch, andere blühen erst auf, wenn sie alternative Wege gehen können. Wichtig ist, dass du die Möglichkeiten kennst und gemeinsam mit deinem Kind entscheidest – offen, ohne Druck und vor allem mit Blick auf seine Persönlichkeit.
Wann bleibt man in Bayern sitzen?
In der Grundschule, vor allem in den ersten beiden Klassen, wird das Sitzenbleiben möglichst vermieden. Immer mehr Grundschulen setzen auf eine Jahrgangsmischung. Es gibt nicht mehr reine 1. bis 4. Klassen, sondern die Klassen 1/2 und 3/4. Wenn Kinder der 1. und 2. Klasse gemeinsam unterrichtet werden, haben sie die Möglichkeit, die ersten beiden Jahre auch in drei Jahren zu absolvieren.
In der Realschule und dem Gymnasium steht eine Wiederholung an, wenn in einem Vorrückungsfach die Note sechs oder in zwei Vorrückungsfächern die Note fünf im Zeugnis steht. Gleiches gilt für den M-Zweig an den Mittelschulen, da er ebenfalls zum Mittleren Schulabschluss führt. Ansonsten ist an den Mittelschulen ein Wiederholungsjahr zwingend, wenn die Durchschnittsnote in allen Fächern außer Sport schlechter als 4,0 ist oder in mindestens vier Fächern die Note fünf erzielt wurde.
Was spricht für das Wiederholen einer Klassenstufe?
Ganz wichtig: Wiederholen bedeutet nicht automatisch ein Scheitern. Manche Kinder profitieren enorm davon, wenn sie den Lernstoff in Ruhe nachholen und Selbstvertrauen zurückgewinnen können. Das gilt vor allem dann, wenn die Lernlücken so groß geworden sind, dass ein erfolgreicher Start ins nächste Schuljahr kaum möglich ist. Sinnvoll kann ein Wiederholen auch sein, wenn das Kind sogar mit Bauch- und Kopfschmerzen oder gar Schulangst oder Schulvermeidung reagiert. Auch können persönliche Gründe, wie eine lange Krankheit oder familiäre Belastungen, der Grund sein, wieso sich das Kind nicht auf die Schule konzentrieren und entsprechende Leistungen abliefern konnte.
Je früher Gespräche mit Lehrkräften stattfinden, desto klarer zeigt sich, ob ein Wiederholungsjahr eine echte Entlastung sein kann. Gut zu wissen: Kinder und Jugendliche haben immer die Möglichkeit, eine Klassenstufe freiwillig zu wiederholen.
Welche Alternativen zum Sitzenbleiben gibt es?
In Bayern gibt es mehrere Möglichkeiten bei schlechten Leistungen. So kann z. B. die Note fünf in einem Fach durch eine gute Note in einem anderen
Kernfach ausgeglichen werden. Voraussetzung: Die Gesamtleistung ist noch tragfähig. Ein typisches bayerisches Modell ist das Vorrücken auf Probe, d. h. das Kind geht probeweise in die nächste Klasse. Dies entscheidet das Lehrerkollegium zusammen mit der Schulleitung in sogenannten Klassenkonferenzen, in denen alle Schülerinnen und Schüler einzeln besprochen werden. Nach einigen Monaten entscheiden die Lehrkräfte dann endgültig, ob das Niveau gehalten werden kann. Für manche Kinder ist diese zweite Chance sehr motivierend. Am Gymnasium und der Realschule haben Schülerinnen und Schüler außerdem die Möglichkeit, durch eine Nachprüfung in bestimmten Fächern in die nächste Klasse vorzurücken. Das ist sinnvoll, wenn das Kind nur an einem Fach knapp scheitert – und bereit ist, sich über die Sommerferien intensiv vorzubereiten.
TIPP
Nicht jedes Kind passt zum Profil der Schule, die es gerade besucht. Der Wechsel auf eine andere Schulart, z. B. vom Gymnasium auf die Realschule oder den M-Zweig der Mittelschule, kann Druck reduzieren und verlorene Motivation zurückbringen, wenn das Kind dort wieder eher zu den Besseren gehört. Auch über diesen (Um)Weg kann es das Abitur erreichen. Ebenso kann ein Wechsel auf eine private Schule mit einem anderen pädagogischen Ansatz Perspektiven eröffnen.
Ulli Dippold
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