Bitte nicht stören – hier wird gespielt!

Auch die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren wusste um den Zauber und den Wert des freien Spiels. Deshalb liebe Eltern: Wenn eure Kinder ins Spiel vertieft sind, Türe schließen und nicht stören.

„Und dann braucht man ja auch noch Zeit um einfach nur dazusitzen und vor sich hinzustarren.“ – Auch die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren wusste um den Zauber und den Wert des freien Spiels. Komplett unverplante Zeit um eins zu werden mit seinem Spiel – viele Kinder haben dazu leider selten die Möglichkeit. Unsere Tagesabläufe sind strukturiert und oftmals bis ins kleinste Detail geplant. Der Vormittag wird von der Schule/dem Kindergarten vorgegeben, nachmittags jagt ein Termin den nächsten.

Wir sollten wieder mehr Zeit zum Spielen einplanen. Aber warum?

Kannst du dich noch erinnern wie es sich angefühlt hat, wenn du völlig in deinem Spiel versunken warst? Wenn du die Außenwelt ausgeblendet und nichts mehr um dich herum mitbekommen hast? Wenn ja, dann ist es dir gelungen die höchste Form der Konzentration zu erreichen. Du warst „im Flow“. So nennt man den Zustand, in dem man sich buchstäblich in einer anderen Welt befindet. Es könnte sogar passieren, dass du dein Kind ansprichst und es nicht reagiert. In diesem Zustand ist nämlich der so genannte „Gut-Tu-Filter“ aktiviert. Wie der Name schon sagt, nimmt ein Kind gerade nur das wahr, was ihm gut tut – und das ist sein Spiel. Also nicht wundern, wenn du keine Antwort bekommst. Dieser Zustand wurde von der Natur so eingerichtet und dein Kind kann nichts dafür.

Lassen wir unsere Kinder, dann können sie komplett in ihrer Welt versinken. Ohne Vorgaben, ohne Druck und ohne Erwartungen kreieren sie sich eine Welt, in der alles nach ihren Regeln läuft. Ob alleine oder mit Freunden, hier entstehen regelrechte Parallelwelten. Ob als Ritter auf der Flucht vor Bösewichten, als Burgfräulein, das auf den Prinzen wartet oder als Heldin bei Ninjago – alles ist möglich. Die Phantasie läuft auf Hochtouren, das Vorstellungsvermögen erreicht ein völlig neues Level und dann….

„Schluss jetzt mit eurem Spiel. Es gibt Abendessen!“

Autsch! Unsanft haben wir unsere Kinder (wieder mal) in die Realität zurückgeholt und damit ein wahres Feuerwerk mitten im Knall gestoppt. Ob wir das bei den Hausaufgaben oder beim Lernen auch tun würden?

Leider sind viele Erwachsene der Meinung, dass Kinder in solchen Momenten ja „nur spielen“. Doch es ist viel mehr als das. Neben den oben genannten Vorteilen wird im freien Spiel auch noch jede Menge Sozialkompetenz und Sprachgewandtheit gefordert. Sich mit Freunden ein Spiel aufbauen, spontan auf Änderungen reagieren können, eigene Ideen einbringen, Ablehnung erfahren und den Mitspielern verständlich machen, was und wie man spielen möchte, sind weitere wichtige Eckpfeiler des freien Spiels.

Bitte nicht stören
Spielen trainiert die Konzentrationsfähigkeit. Bildnachweis: iStock.com/Sasiistock

Beim Spiel wird Erlebtes verarbeitet

Hast du deinem Kind schon einmal genau zugehört, wenn es mit seinen Puppen Vater, Mutter, Kind spielt? Oder wenn im Hinterhof Verbrecher gejagt, Drachen getötet und eine Schulkulisse aufgebaut wird? Wenn ja, dann ist dir der ein oder andere Dialog sicherlich bekannt vorgekommen. Kinder bringen durchs Spielen nämlich ihre Gefühlswelt wieder ins Gleichgewicht. Da werden Aggressionen herausgelassen, Enttäuschungen verarbeitet oder liebevolle Gesten ausgetauscht. All das was unsere Kinder erleben, durchleben sie im Spiel sozusagen ein zweites Mal und lernen es so besser zu verstehen und einzuordnen.

Wer schon als Baby viel Zeit mit freiem Spielen verbringen durfte, der hat als Schulkind/Jugendlicher/Erwachsener sicherlich weniger Probleme sich zu konzentrieren. Warum? Weil freies Spielen ein Booster für die Konzentration ist. Deshalb ist es auch so enorm wichtig, dass wir in solchen Momenten das Spiel respektieren und uns zurückhalten. „Bitte nicht stören“ lautet unser Auftrag! Hier trainiert nämlich gerade jemand seine Konzentrationsfähigkeit.

Leidenschaft und Langeweile sind ideal

Freies Spielen findet jedoch nicht nur mit Freunden statt. Auch alleine kann man herrlich versinken beim Basteln, Playmobillandschaften aufbauen, Schnitzen uvm. Entscheidend ist, dass man mit Leidenschaft bei der Sache ist und nichts aufgezwungen oder vorgegeben wurde. Denn nur was uns von innen heraus motiviert und begeistert, kann uns in den einmaligen Zustand des Flows versetzen.

Deshalb liebe Eltern: Wenn euer Kind das nächste Mal kommt und sagt „Mama/Papa, mir ist sooo langweilig.“, dann seht diese Aussage nicht als Aufforderung gleich ein Spielangebot parat zu haben. Lasst sie selbst überlegen, was ihnen Freude bereiten würde. Langeweile ist oft der ideale Nährboden für die besten Spielideen. Und wenn sie dann etwas gefunden haben, sollten wir einfach leise die Zimmertüre schließen und bloß nicht mehr stören…

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Bildnachweis – Beitragsbild: iStock.com/standret

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